Zweitens: Ungerechtigkeiten?

November 1917: Dein Charakter bekommt auf der Straße von einem Bekannten ein Exemplar des „Volksfreundes“ in die Hand gedrückt. Darin ist zu lesen:

„So darf es nicht weitergehen: Die Teuerung greift immer weiter um sich. Sie nimmt nachgerade Dimensionen an, die sich zu einer Gefahr für den Existenzkampf des deutschen Volkes auswachsen, wenn nicht ganz energische Schritte dagegen unternommen werden. Die Lebensmittel haben zum Teil eine für weite Kreise des Volkes fast unerschwingliche Verteuerung erfahren. Daneben steigen die Preise für alle anderen Bedarfsartikel fortgesetzt ins Ungewisse. Preissteigerungen von 200 und 300 Prozent sind keine Seltenheit. Kleider, Schuhe, Möbel Weißwaren usw. sind so teuer geworden, daß weite Kreise des Volkes gar nicht mehr in der Lage sind, diese Bedarfsartikel zu kaufen. Die Holzschuhe schlechtester Qualität sind heute fast so teuer, wie früher die besten Lederstiefel.[…] Der Staat wird ärmer und ärmer. Hand in Hand mit dieser Staatsverarmung geht eine ans Märchenhafte grenzende Bereicherung der Kapitalisten. Die Kapitalkonzentration hat geradezu unsinnige Formen angenommen. Den großen kapitalistischen Unternehmungen, insbesondere soweit sie mit Kriegslieferungen beschäftigt sind, regnet es die Millionen förmlich zu den Dächern herein. Das Reich wird von den Kriegslieferanten in einer Weise ausgewuchert, die man nicht für möglich halten sollte.[…] Trotz dieser Riesengewinne fordern die Automobilindustrien neuerdings vom Reiche eine Preiserhöhung von 25 Prozent. Ähnlich liegen die Verhältnisse auf anderen Gebieten der Kriegsindustrie. Die Kriegsgewinnsteuer dieser Kriegslieferungsgesellschaften zahlt auf Heller und Pfennig das Reich, die Aktionäre bleiben, soweit die Dividenden in Betracht kommen, davon gänzlich verschont.[…] Es muss dem Wucher schlechthin der Boden entzogen werden. So wie bisher darf es auf keinen Fall weitergehen, denn dieser Zustand bildet eine mit jedem Tag mehr wachsende Gefahr. Wenn der Wucher ausgerottet werden soll, dann muss bei den großen Wucherern, jenen mit Titeln und Orden der Anfang gemacht werden.[…] Das erfordert die Gerechtigkeit, denn unsere Söhne und Brüder bluten und leiden doch nicht dafür, damit einige tausend Menschen sich märchenhafte Vermögen ansammeln.“
(Kommentar des „Volksfreundes“ zur Verteuerung der Lebenshaltungskosten und zu den Kriegsgewinnen der Unternehmer, 24. November 1917.)

Internetrecherche:
Findest du heraus was die Zielgruppe der Zeitung „der Volksfreund“ war? (Tipp: Es gab regional verschiedene Zeitungen mit diesem Namen, konzentriere dich bei der Recherche auf die badische Region!)

Findest du mittels Internet heraus, was der Begriff „Kapitalkonzentration“ bedeutet?

Kannst du dir demnach erklären, wer genau mit „Söhne“ und „Brüder“ in dem Artikel gemeint ist?

Verfasse deinen Tagebucheintrag: Was denkt dein Charakter über diesen Artikel? Welche Hoffnungen oder Ängste verbindet er damit? Versuche deine Rechercheergebnisse in deinen Eintrag mit einzubeziehen.