Sechstens: Rote Fahnen in der Hauptstadt

10. November: Ein sichtlich aufgebrachter Bekannter, der gerade aus Berlin zurückgekehrt ist, drückt dir eine dir bis dahin unbekannte Zeitung in die Hand: Die rote Fahne. Hektisch liest du die ersten Absätze:
Berlin unter der roten Fahne: Polizeipräsidium gestürmt- 650 Gefangene befreit- Rote Fahnen am Schloss. Die Redaktion des „Berliner Lokalanzeigers“ ist von Vertretern des revolutionären Volkes (Spartakus-Bund) besetzt. Die Redaktionsführung ist damit an die Leitung der Genossen übergegangen. Mit rasender Wucht rollt sich die Entwicklung der Ereignisse nun auch in Berlin ab. Seit heute Vormittag sind fast alle Stellen, die für den Verkehr, die Verwaltung und die Sicherheit der Stadt wichtig sind, in den Händen des Arbeiter- und Soldatenrates und seiner Beauftragten. Die Umwälzung setzte vormittags ruhig ein und vollzog sich auch weiterhin in völlig geordneten Formen.
Rote Fahnen am Schloss: Am kaiserlichen Schloss und am Kronprinzenpalais waren am Eingang zu den Portalen rote Fahnen angebracht.- Die Hauptwache unter den Linden ist von Militär entblößt, dafür sind drei Zivilisten mit Gewehr aufgezogen.
Der Sturm auf das Polizeipräsidium: In den Nachmittagsstunden begannen bewaffnete Truppen in Kraftwagen mit Umzügen durch die Stadt. In der Nähe des Halleischen Ufers wurden aus einem geheimen Waffendepot Gewehre verteilt, und nun begann die Rundfahrt, die zweifellos gut organisiert war. Vom Norden her drang ein Zug von mehreren hundert Personen, darunter eine Abteilung Soldaten der vom Soldatenrat bereits besetzten Kaserne gegen das Polizeipräsidium vor. Unterwegs schlossen sich neue Mengen an, so das beim Eintreffen des Zuges der Alexanderplatz binnen weniger Minuten mit einer unübersehbaren Menge besetzt war.“
 (Die rote Fahne, 1. Ausgabe 9.November 1918).
Findest du im Internet heraus, wer oder was der Spartakusbund war, und was dessen Ziele waren?
Kannst du herausfinden, welche Bedeutung eine rote Fahne hat?
Wie nimmst du die Ereignisse in der Hauptstadt auf?
Schreibe einen weiteren Tagebucheintrag anhand dieser Eindrücke und Informationen.