Fünftens: Wie ein Lauffeuer

Noch immer beeindruck von den Erzählungen des alten Mannes kaufst du, wie jeden Tag, beim Zeitungshändler eine Ausgabe des „Badischen Tagblatts“. Du liest plötzlich:
Die Unruhen im Norden
Berlin, 7. November (Amtlich) Von zuständiger Stelle wird über die Lage in den nördlichen Provinzen folgendes mitgeteilt:
Die Unruhen haben sich auf einige weitere Orte ausgedehnt. In Bremen wurden auf dem Marktplatz von einem unabhängigen Sozialisten, der vor einigen Tagen aus dem Gefängnis entlassen worden war, und von einigen Militärpersonen Reden gehalten, du zur Bildung einer sozialistischen Republik und eines Arbeiter- und Soldatenrates aufforderten. Der Befreiung von Militärgefangenen schloß sich die Öffnung auch der Zivilgefängnisse an. In den großen Werken ist alles ruhig, auf den Straßen herrscht Ordnung. Für den Abend wurde in einer Versammlung Liebknecht als Redner erwartet. In einer Sitzung der Bügerschaft stand ein sozialdemokratischer Antrag auf Einführung des gleichen direkten Wahlrechts zur Erörterung. Der Senat soll sich sich seine Entscheidung vorbehalten haben.
Aus Hamburg wird gemeldet: Das Zentralbüro des Arbeiter- und Soldatenrats teilt folgendes mit: Sämtliche Amtsgebäude und Militärgebäude sind belegt. Die Nahrungsmittelmagazine werden bewacht. Plünderungen werden mit sofortigen Erschießen bestraft. Zur Zeit finden Verhandlungen mit dem Senat statt. Der Zugverkehr ist bis auf zwei Züge eingestellt. Das Postamt und das Telegraphenamt werden bis zur Stunde nicht belegt. Die Zeitung der Bewegung erließ einen Aufruf an die Bevölkerung die Ruhe und Ordnung aufrecht zu erhalten. Nach vorliegenden Meldungen ist dies indes nicht gelungen, denn es hat Ausschreitungen gegeben. Kleinere Truppenkörper, die sich verteidigten, wurden durch die Waffen der Aufständischen vergewaltigt und gezwungen, ihnen Gefolgschaft zu leisten. An mehreren Stellen der Stadt sind Mißhandlungen und Morde vorgekommen. Unter anderem drangen die Aufständischen in eine Wohnung der Lincolnstraße, aus der auf durchziehende Soldaten geschossen worden sein sollte, ein und töteten zwei Personen, die angeblich Schuldigen, indem Sie ihnen die Kehle durchschnitten. Wahrscheinlich werden alle Theater und Restaurants vom 7. November ab geschlossen werden. Die ganze Nacht vom 6. zum 7. November fielen in verschiedenen Gegenden der Stadt vereinzelte Schüsse. Daß Hamburger „Echo“, daß jetzt als Organ der Aufständischen unter dem Titel „Die rote Fahne „, veröffentlicht folgende Bekanntmachung an die Bevölkerung Hamburgs und Altonas: Alle Zivilpersonen müssen von heute (7.November) ab 6 Uhr abends von der Straße sein.
Nürnberg, 8. November: Nürnberger Zeitungen veröffentlichen die Ausrufung der Republik Bayern durch Extrablätter.
München, 8. November: Der Arbeiter-,Soldaten-, und Bauernrat hat in der heute Vormittag abgehaltenen Sitzung der Dynastie Wittelsbach beschlossen.
München, 8. November: Gerüchten zufolge soll der König (Bayerns) heute Nacht verhaftet worden sein.“

(Badisches Tagblatt, 8. November 1918)

Findest du im Internet Informationen zu der ausgerufenen „Republik Bayern“? Wer war der Ministerpräsident, was waren die Ziele?
Kannst du mit Hilfe des Internets erklären, was ein „Arbeiter- und Soldatenrat“ ist?
Schreibe dies, und deine Hoffnungen, Erwartungen oder Befürchtungen bezüglich dieser bahnbrechenden Meldungen in dein Tagebuch.
Bau deine Informationen aus dem Internet in deinen Eintrag mit ein.